Geimori GU38 im Test: Gute Espressomühle unter 200 €, mit einem Haken

Mein Geimori GU38 Test nach sechs Wochen: Mahlzeit, Temperatur, Lautstärke und Retention gemessen, Espresso und Filter neben meiner Eureka Mignon Single Dose, Preis, Alternativen und für wen sie sich lohnt.

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Ein 38-mm-Mahlwerk für gut 160 €. Als die Geimori GU38 bei mir ankam, war ich skeptisch. Nach sechs Wochen und einigen Messungen bin ich es nicht mehr. Bis auf das Tempo kenne ich ihre Messwerte sonst von deutlich teureren Mühlen. In den letzten Wochen hab ich morgens öfter zu ihr gegriffen als zu meiner Eureka Mignon Single Dose, die damals rund 600 € gekostet hat. Perfekt ist sie trotzdem nicht. Sie ist langsam, und im Alltag hat sie einen Haken.

Transparenz: Wirsh, die Firma hinter Geimori, hat mir die Mühle kostenlos geschickt. Angekommen ist sie am 12. September. Seitdem hat mir niemand von Wirsh reingeredet, und es gab keine Deadline für das Review. Der Link und der Code coffeexris in diesem Artikel sind Affiliate. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision.

Mein Urteil nach sechs Wochen

  • Espresso. Dicht, mit viel Körper und weicher Textur. Für Espresso ist die GU38 für mich gerade die beste Mühle unter 200 €, die ich getestet habe.
  • Tempo. Ihr schwächster Wert. 20,5 g brauchen bei sehr feinem Mahlgrad 72 Sekunden.
  • Der Haken. Oben im Trichter bleiben bei jedem Mahlen Bohnen hängen, die ich von Hand nachschiebe.
  • Filter. Geht, aber mit weniger Klarheit als meine Eureka.
  • Preis. Gut 160 € im Shop, mit dem Code coffeexris 15 Prozent weniger, dazu kommt der Versand.

Messwerte im Überblick

Gemessen hab ich zu Hause, mit einer hellen Röstung und meinem normalen Mahlgrad für das High-Extraction-Sieb.

Messung Ergebnis
Mahlzeit 72 s für 20,5 g bei sehr feinem Mahlgrad, Stufe 5
Temperatur Pulver 26 °C, Bohnen vorher 20,4 °C
Lautstärke 74 bis 75 dB, Apple Watch in 20 cm Abstand
Retention beim Mahlen 20,5 g rein, 20,5 g raus, mit Sprühstoß und Blasebalg
Rest nach dem Zerlegen 0,3 g

Tempo. Wirsh gibt für Espresso 0,6 g pro Sekunde an. Bei meinem sehr feinen Mahlgrad komme ich auf nicht einmal die Hälfte. Bei gröberem Espresso wird sie schneller, andere Tester messen dann eine halbe Minute und mehr. Für einen Kaffee am Morgen ist mir das egal. Machst du für Besuch drei Espressi hintereinander, wird es lang.

Temperatur. Wird das Pulver beim Mahlen zu warm, verliert es Aroma, bevor es im Siebträger ist. Bei der GU38 ging es von 20,4 °C Bohnentemperatur auf 26 °C, gemessen nach einer Portion. Das ist der Vorteil des langsamen Motors.

Lautstärke. Die Apple Watch ist kein geeichtes Messgerät, aber 74 bis 75 dB in 20 cm Abstand sind für eine Espressomühle nicht laut.

Retention. Am meisten beeindruckt hat mich, wie wenig Kaffee in der Mühle bleibt. 20,5 g rein, 20,5 g raus, auf meiner Waage steht null. Der Hersteller verspricht weniger als 0,1 g. Das gilt mit Sprühstoß und Blasebalg. Ohne beides hab ich nicht gemessen, weil ich sie so auch benutze.

Rest nach dem Zerlegen. Nach ein paar Wochen hab ich die Mühle komplett zerlegt, um zu sehen, was dauerhaft in Ritzen und am Mahlwerk hängen bleibt. Du schraubst den Einstellzylinder oben ab, und das Mahlwerk liegt frei. Werkzeug brauchst du nicht. Dein Mahlgrad ist danach weg, über die Zahl auf der Skala findest du ihn aber schnell wieder. Ausgepinselt blieben 0,3 g. In einem anderen Test der GU38 blieb nach ein paar Monaten mehr in der Mühle hängen. Nach sechs Wochen sehe ich davon nichts. Ich sag Bescheid, wenn ich sie länger habe.

Mahlwerk und Verarbeitung

Innen steckt ein konisches Mahlwerk mit 38 mm. Das ist ungefähr die Größe einer Comandante, einer Handmühle, die mehr kostet als die ganze GU38. In meiner Eureka stecken flache Mahlscheiben mit 65 mm. Auf dem Papier ist das ein großer Unterschied, deshalb war ich skeptisch.

Statt auf Größe setzt die GU38 auf Langsamkeit. Sie dreht mit 170 Umdrehungen pro Minute, die Niche Zero fast doppelt so schnell. Langsam heißt weniger Wärme und gleichmäßigeres Mahlgut. Es heißt aber auch, dass du wartest.

Das Gehäuse ist aus Aluminium-Druckguss. Die ganze Mühle wiegt knapp 2,5 kg und ist nur 9 cm breit, neben einer Siebträgermaschine nimmt sie kaum Platz weg. Strom bekommt sie über ein externes Netzteil, wie ein Laptop. Wer die Varia VS3 kennt, erkennt die Form wieder. Die GU38 gibt es in Weiß und Schwarz, mir gefallen beide, und meine sieht nach sechs Wochen täglicher Benutzung noch aus wie am ersten Tag.

Mahlgradskala am Einstellzylinder der schwarzen Geimori GU38 mit Holzdeckel
Die Skala am Einstellzylinder geht von 0 bis 65. Von vorne gut lesbar, von oben schlecht.

Mahlgrad: viel Luft am feinen Ende

Den Mahlgrad stellst du stufenlos am Zylinder oben ein, die Skala geht von 0 bis 65. Ein Strich entspricht laut Hersteller 20 Mikrometern. Das Gewinde hat einen angenehmen Widerstand, damit triffst du auch die kleinen Schritte, die du beim Espresso brauchst.

Für meinen hellen Espresso mit dem High-Extraction-Sieb bin ich bei Stufe 3 bis 5 gelandet, also ganz am feinen Ende. Da ist noch Luft, auch für sehr helle Röstungen. So fein bleibt manche Mühle bei harten, hellen Bohnen einfach stehen. Die GU38 ist mir in sechs Wochen kein einziges Mal stecken geblieben, und ich mahle meistens helle Bohnen.

Die Zahlen sind gut lesbar. Steht die Mühle auf einem niedrigen Regal, musst du allerdings in die Knie, von oben siehst du sie schlecht.

Unter dem ersten Video kam die Frage, ob sie für Mokka oder türkischen Kaffee reicht. Für eine Bialetti locker, die braucht sogar gröber als Espresso. Türkischen Kaffee hab ich nicht probiert. Muss es noch feiner sein als mein Espresso, würde ich abraten. So fein wie Mehl zu mahlen ist für ein kleines Mahlwerk viel Arbeit, und das würde ich ihr auf Dauer nicht zumuten.

Alltag und der Haken

Ich mahle vor allem Espresso, und so sieht ein Morgen mit ihr aus. Ich wiege 20,5 g Bohnen ab und gebe einen Sprühstoß aus dem Fläschchen dazu, gegen statische Aufladung. Bohnen in den Trichter, Knopf drücken, sie läuft sofort los.

Dann kommt der einzige Punkt, der mich im Alltag wirklich stört. Auf dem Trichter sitzt ein Deckel, und der muss beim Mahlen drauf, sonst springen Bohnen raus. Oben im Trichter bleiben aber Bohnen hängen. Nicht manchmal, jedes Mal. Ich schiebe die letzten Bohnen mit meinem WDT-Werkzeug nach, du stehst also daneben und hilfst. Andere Reviewer stochern an derselben Stelle. Ich kann damit leben, aber du solltest es vor dem Kauf wissen.

Wenn nichts mehr kommt, schaltest du sie selbst ab, einen Auto-Stopp gibt es nicht. Danach ein paar Stöße mit dem Blasebalg. Drückst du zu kräftig, wackelt sie. Das ist die Kehrseite davon, dass sie so leicht ist. Mit etwas Gefühl geht es gut.

Der Dosierbecher hält magnetisch und ist eines meiner Lieblingsdetails. Er ist für 54-mm-Siebträger gedacht, passt aber auch auf die Dedica mit 51 mm und auf die Bianca mit 58 mm. Auf dem größeren Siebträger der Bianca finde ich ihn sogar angenehmer, verteilen ließ sich das Mahlgut immer gut.

Am Becher siehst du auch die statische Aufladung. Ohne Sprühstoß bleibt Pulver am Becher und am Auswurf hängen, bei dunklen Bohnen deutlich, bei hellen geht es noch. Mit Sprühstoß bleibt weniger hängen, ganz sauber wird es ohne Pinsel trotzdem nicht.

Schwarze Geimori GU38 neben der Lelit Bianca, davor Tamper, WDT-Werkzeug und Sprühfläschchen
Die GU38 an meiner Bar neben der Bianca. Mit 9 cm Breite nimmt sie kaum Platz weg.

Geschmack: mehr Körper, weniger Klarheit

In den sechs Wochen hab ich fast jeden Tag Espresso mit ihr gemacht, ungefähr 40 g Kaffee am Tag, also 1,5 bis 2 kg insgesamt. Meistens an der Bianca, zwischendurch an der Dedica. Helle Röstungen, mittlere und auch mal etwas Dunkles.

Der Espresso aus der GU38 ist dicht, mit viel Körper und weicher Textur. Das hat mit dem Mahlgut zu tun. Keine Mühle macht Teilchen in nur einer Größe, es entsteht immer auch Feinanteil, also ganz feiner Staub. Der bringt Körper in den Espresso, und konische Mahlwerke machen davon eher mehr als große flache Mahlscheiben. Von konischen Mühlen erwartet man deshalb mehr Textur, von flachen mehr Klarheit. So beschreibt es auch James Hoffmann.

Was fehlt, merke ich erst neben meiner Eureka Mignon Single Dose. Bei manchen Kaffees ist sie mir lieber, weil die einzelnen Geschmäcker besser voneinander getrennt sind. Bei der GU38 geht davon ein bisschen verloren.

Trotzdem greife ich gerade öfter zur GU38. Nicht jeder Espresso muss maximal klar sein, manchmal ist mir Textur wichtiger. Das ist kein objektives Besser, sondern ein anderer Espresso. In den letzten Wochen war es öfter der, den ich trinken wollte.

Filterkaffee: geht, ist aber nicht ihre Stärke

Getestet hab ich mit dem V60 und der AeroPress. Der Mahlbereich reicht, du kommst problemlos grob genug und stellst schnell um. In der Tasse fehlt mir aber Klarheit, und die willst du beim Filter. Neben der Eureka verliert die GU38 hier deutlich.

Der Filterkaffee ist gut trinkbar, und für eine AeroPress am Wochenende passt sie. Sie ist eine Espressomühle, die auch Filter kann, keine Allrounderin.

Preis und Versand

Im Shop von Wirsh kostet die GU38 gerade gut 160 €. Mit dem Code coffeexris sparst du 15 Prozent, dazu kommt der Versand.

Geliefert wurde nach ungefähr zwei Wochen, gut verpackt und ohne Schaden. Nur die Sendungsverfolgung hat bei mir nicht funktioniert.

Unter 200 € bekommst du meiner Erfahrung nach wenig, das für Espresso wirklich taugt. Meine Eureka bekommst du heute für 400 bis 500 €, die Niche Zero kostet mehr.

Alternativen

Getestet hab ich keine davon, aber diese drei finde ich spannend:

  • Geimori GU63. Dieselbe Idee von Wirsh, nur größer. 63 mm konisch, mit 80 Umdrehungen pro Minute noch langsamer. Ob sie Tempo und Filter besser löst als die GU38, würde mich selbst interessieren.
  • Lagom Casa von Option-O. Genauso schmal, langsames konisches Mahlwerk für einzelne Portionen, aber mit 65 mm. Kostet rund 650 €, gut das Vierfache. Optisch gefällt sie mir, die GU38 finde ich schöner.
  • Timemore Sculptor 064S Gen 2. Große flache Mahlscheiben, interessant, wenn Filter dein Hauptgetränk ist. Kostet aber ein Vielfaches der GU38.

Für wen sich die GU38 lohnt

  • Du fängst mit Espresso an und hast eine einfache Maschine wie die Dedica. Die Mühle ist wichtiger als die Maschine, und mit der GU38 kostet eine Dedica samt Mühle weniger als manche Mühle allein. Damit bist du lange zufrieden, bis du irgendwann auf etwas Größeres umsteigen willst.
  • Als Geschenk für jemanden, der mit Espresso anfängt.
  • Als Zweitmühle, wenn du schon eine gute Mühle hast und einen anderen Espresso willst. So nutze ich sie.

Für wen eher nicht

  • Du machst regelmäßig mehrere Espressi hintereinander für Besuch oder Familie. Dann wird das Tempo zum Problem.
  • Filter ist dein Hauptgetränk. Dann bist du mit einer guten Handmühle oder einer Mühle mit großen flachen Mahlscheiben besser beraten.

Fazit

Ich hab mich gefragt, ob die GU38 ein cleveres Konzept ist oder ein schönes Gehäuse um ein zu kleines Mahlwerk. Nach sechs Wochen sage ich, cleveres Konzept. Die 38 mm merkst du in der Tasse weniger als gedacht, vor allem merkst du sie an der Uhr. Überrascht hat mich auch, wie spannend ein konisches Mahlwerk sein kann. Die Niche Zero hat mir damals nicht so gefallen. Die GU38 zeigt mir, dass konische Mahlwerke eine echte Alternative zu flachen sind, gerade wenn dir Körper und Textur wichtig sind.

Für die nächste Version wünsche ich mir einen Trichter, an dem keine Bohnen hängen bleiben. Für den Preis machst du mit ihr aber nichts falsch. Mit dem Code coffeexris sparst du 15 Prozent über den Geimori-Link.

Was ist dir beim Espresso wichtiger, Textur oder Klarheit? Schreib es mir in die Kommentare unter dem Video. Die ersten Eindrücke nach dem Auspacken findest du in meinem ersten Artikel zur GU38. Wenn du noch zwischen Mühlen schwankst, lies welche Espressomaschine und Mühle du kaufen solltest oder probier den Setup Finder.